Ausflug der Thuner Quilters

Von den 38 Quilterinnen, die sich am 18. Oktober am Morgen gemeinsam auf der Fahrt über den Brünig in Richung Innerschweiz befinden, ahnt wohl keine, dass sie auf dieser Vereins­reise der Thuner Quilters etwas über die Einführung des Leasingvertrags und über interna­tionales Patentrecht erfahren würde!

Nach angenehmer Fahrt entlang zahlreicher Seen (Thuner-, Brienzer-, Lungern-, Sarner-, Wichel-, Alpnacher-, Vierwaldstätter-, Rot-, Zugersee) fährt uns der Chauffeur Florian Rast auf das Areal der Weisbrod-Zürrer AG in Hausen am Albis, dem ersten Höhepunkt unserer Reise. 

 

Im ersten Stock befindet sich der Weisbrod-Stoffladen, und in den nächsten eineinhalb Stun­den durchstreifen eifrige Stoffliebhaberinnen die zahlreichen Reihen von Stoffregalen, pen­deln von Patchworkstoffen zu Seidenbahnen, von Herbstneuheiten zur Restenkiste, und schliesslich vom Schneidetisch zur Kasse.

 

Den nächsten Halt machen wir am Zürichsee in Rapperwil. Das Ristorante San Marco ver­wöhnt uns an drei langen Tischen auf der sonnigen Terrasse mit einem wunderbaren Mittag­essen – samt Prosecco! Die Mittagszeit bei Salat und Pasta und angeregten Gesprächen ver­geht im Flug, und die Schar Quilterinnen verlässt das Ristorante gestärkt in Richtung Bahn­hof. 

Das üppige Essen hat einige von uns doch etwas schläfrig gemacht, und die Weiterfahrt im Reisecar verläuft auffällig still. In Dürnten besuchen wir in zwei Gruppen abwechslungsweise den Ausflugsort Hasenstrick und das Nähmaschinen-Museum am Pilgersteg.

 

Roni Schmied und Tino Jaun führen uns auf einer kurzweiligen Zeitreise durch die historische und technische Entwicklung der Nähmaschine in den vergangenen gut 200 Jahren. Das Näh­maschinen-Museum beherbergt mehrere Hundert antike Nähmaschinen und Zubehör. Viele Exponate haben Schmied und Jaun restauriert und instand gestellt, so dass wir die Maschinen sogar in Aktion bestaunen können. Die beiden führen uns mit ansteckender Begeisterung, mit riesiger Fachkenntnis und bestens gelaunt durch ihre Ausstellung.

 

Wir lächeln heute über den Vorläufer der Nähmaschine, der mit einer Hin- und Herbewe­gung den Vorgang des Handnähens nachahmte, und über ein Holzmodell von 1790, das ge­rade mal ein paar Zentimeter (Schuhmacher-)Naht zustande brachte. Die ersten Maschinen nähten Kettenstich mit nur einem Oberfaden. Mehrere Tüftler und Techniker in Europa und den USA versuchten, die Nähmaschine weiter zu entwickeln. Die erste Maschine, die mit Ober- und Unterfaden einen Doppelsteppstich fabrizierte, führte den Unterfaden in einem doppelspitzigen Schiffchen hin und her. Die Technik mit Spule unten und Umlaufgreifer, über die unsere modernen Nähmaschinen heute noch verfügen, stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts!

 

Die neuartigen, fabrikmässig hergestellten Nähmaschinen von Singer stiessen auf grosses Interesse, waren allerdings – mit Kosten in der Höhe eines Arbeiterjahreslohnes – für Normalverdiener unerschwinglich. Der geschäftstüchtige Isaac Singer ermöglichte den Kauf auf Abzahlung; eine Form von Leasing war erfunden.

 

Es folgten zahlreiche Weiterentwicklungen wie Stofftransport, Zickzack, Rückwärtsnähen, Fadenspannung, Elektrifizierung, Digitalisierung, usw. Im 19. Jahrhundert muss es wegen fehlender oder unvollständiger internationaler Patentrechte immer wieder zu Streitigkeiten gekommen sein.

 

Wir erfahren viele weitere Tatsachen; über die Nähmaschine als Prestigeobjekt, den Zusam­menhang zur Veloherstellung, über unzählige andere Nähmaschinenhersteller neben Singer, die Nähmaschine von Karoline Garcin mit Uhrwerkantrieb, die „unanständige“ Nähmaschine mit Pendelantrieb, die Hohlsaummaschine, die Kurbelstickmaschine, und, und, und.

 

Voller Eindrücke begeben wir uns schliesslich auf die mehrstündige Heimfahrt.

 

www.naehmaschinen-museum.ch

www.hasenstrick-hotel.ch

www.weisbrod-zuerrer.ch

Ristorante San Marco Rapperswil www.juerg-moser-ag.ch

 

Christine Flück

 

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