Ausflug 2016 der Thuner Quilters

Am Donnerstag, 20. Oktober 2016, gegen 07.30 Uhr tauchen immer mehr bekannte Gesichter beim Car-Terminal auf. Erwartungsvoll steigen wir in den Moser-Car. In Bern steigen noch einige Thuner-Quilterinnen zu. Bei ange­regten Gesprächen vergeht die Fahrt schnell und wir erreichen unser erstes Ziel Suhr. Zuerst stärken wir uns mit Kaffee und Gipfeli.

 

Danach begeben wir in Gruppen in den Pavillon von Möbel Pfister zur Ausstellung «Blaue Stunde» der Aartquilters. Wie meistens, bin ich to­tal überwältigt vom Ideenreichtum der Herstellerinnen und der Vielfalt der Werke. Eigentlich sind es eher Textil-Kunstwerke. Traditio­nelle Muster sind nicht dabei, sogar ein Quilt mit integrierter Beleuchtung ist zu sehen. Interessant ist es, den Ge­sprächen zuzuhören. Was die einen begeistert, gefällt ande­ren weniger und umgekehrt. Aber die Ideen und die vie­len Stunden Nähen würdigen alle. Mit vielen Anregungen und neuen Ideen geht es jetzt weiter nach Schinznach ins Baumschul-Cafe «Die grüne Quelle». Dort geniessen wir ein feines Mittagessen mit Salatteller, Pilz-Risotto und Dessert, alles aus frischen Zutaten zubereitet. Danach schauen wir uns im Gartencenter um und entdecken viele schöne Dinge, die man zwar nicht un­bedingt braucht, die aber Freude machen würden.

 

Die Reise führt uns dann weiter nach Lenzburg in die Posamenterie Herma Partner AG. Dort erwarten uns Evelyn Gloor und Imma Pichierri, die Inhabe­rinnen des Betriebes. In der Werkstatt angekommen ziehen uns die Regale mit Garnspulen in allen Farben und Materialien magisch an. Vorhanden sind Zellwolle, Cordonett, Kunstseide und Baumwolle. Von jeder Farbe gibt es un­zählige Farbabstufungen von hell bis dunkel, glänzend und matt.

 

Nachdem wir auch die sonderbaren und nicht mehr ganz neuesten Maschinen be­trachtet hatten, erfahren wir von Evelyn Gloor wie es dazu gekommen ist, dass sie und Imma den Betrieb 2013 von Peter Hermann übernommen haben und von Adliswil ZH in den Aargau umgezogen sind. Wir hören, was alles unter den Be­griff «Posamenten» fällt und hier herge­stellt wird. Es sind dünne bis seildicke Kor­deln, die uni oder mehrfarbig hergestellt werden. Dazu kommen ganz einfache und wieder mehrfarbige Quasten, die zu den jeweiligen Vorhängen und Einrichtungen passen. Sie beliefern Möbelhäuser, Hotels, Restaurants aber auch das Zürcher Opernhaus. Das Napoleonmuseum im Kanton Thurgau gehört auch zu ihren Kunden.

 

Anschliessend wird uns die Arbeit an den Maschinen vordemonstriert. Am meisten beindruckt mich aber Imma Pichierri, als sie jemanden um einen bunten Schal bittet, damit die Regale mit den Garnspulen abschreitet und hier und dort eine Spule auf einen Ständer steckt. Als sie mit der Farbauswahl zufrieden ist, verdreht sie die verschiedenen Fäden zu einer Kordel, die so perfekt zum Schal passt als wäre sie aus dem gleichen Material hergestellt. Hut ab vor diesen beiden Frauen, die mit soviel Wissen, Können und Liebe dieses fast ausgestorbene Handwerk am Leben erhalten. Wenn wir nun ir­gendwo Posamenten begegnen, sehen wir sie mit andern Augen an.

Mit der Gewissheit, etwas Neues erfahren zu haben, geht unsere Reise zu Ende. Im Namen der TQ danke ich Susanna für die Organisation der tollen Reise und freue mich schon auf die nächste.

 

Ruth Grünig